Andacht Herbst & Winter 2018/2019

Liebe Gemeinde in Rüdinghausen und Schnee

An - gedacht

„Vater unser im Himmel“, so beginnt das wichtigste Gebet der Christenheit. Jesus Christus hat es gesprochen und seine Worte wurden uns überliefert. Jesus spricht Gott als seinen Vater voller Vertrauen an. Jesus lebte in einer Gesellschaft, die von Vätern und Männern dominiert wurde. Es war selbstverständlich, dass ein Vater Macht und Autorität hatte und bestimmte, was andere zu tun hatten. Für Jesus ist die „Barmherzigkeit“ ein wichtiger Charakterzug eines Vaters. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn nimmt der Vater seinen Sohn wieder Zuhause auf und schließt ihn bei der Rückkehr liebevoll in die Arme. In dieser Geschichte leuchtet auf, wie Jesus sich den „Vater im Himmel“ vorstellte - als einen gütigen und liebevollen Vater.

Nicht immer haben Kinder solche guten Erfahrungen mit ihren Vätern gemacht. Im Neuen Testament werden Väter auch an ihre eigentliche Aufgabe erinnert: „Ihr Vater, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden“ (Kolosser, 3,21). Kinder dürfen keine Angst vor ihrem Vater haben. Es ist wichtig, die eigenen Kinder zu ermutigen und ihnen den Rücken zu stärken. Hat ihr Vater sie ermutigt und Ihnen den Rücken gestärkt? Welche Erinnerungen haben Sie an ihren Vater? Wie hat sich die Rolle der Väter im Laufe der Jahre geändert? Um diese Fragen ging es an einem Abend im Männerdienst unserer Gemeinde, zu dem Ralf Höffken eingeladen wurde. Der Sozialpädagoge und Diakon arbeitet als Referent am Institut für Kirche und Gesellschaft der westfälischen Kirche. Er ist unter anderem für die kirchliche Arbeit mit Vätern verantwortlich. Carsten Griese sprach mit ihm über Vaterrollen:

Was macht einen guten Vater aus?
Ein guter Vater sollte sein Kind lieben und seinem Kind zugewandt sein. Er sollte ein gutes Ohr für sein Kind haben. Er sollte dieses Kind wertschätzen. Er sollte natürlich auch ehrlich und authentisch sein, und ich glaube, wenn das so ist, dann haben Väter eine Menge Chancen bei ihren Kindern.

Viele Erwartungen werden heute an Väter gestellt. Welche Rollen müssen Väter heute erfüllen?
Väter müssen zum einen, nach Möglichkeit, für das Einkommen sorgen, also arbeiten gehen, da also weiterhin ihren Mann stehen, weil sich die Firmen oft nicht darauf einstellen, dass ein Mann Familie hat. Außerdem müssen sie ihre Väterrolle übernehmen, also etwas mit den Kindern unternehmen. Dann sind sie natürlich auch noch ein Vorbild für die Kinder. Sie zeigen ihnen wie man mit anderen Menschen umgeht, beispielsweise mit der Mutter. Die Rollen von Vätern sind heutzutage schon sehr, sehr kompliziert. Auch die Frauen erwarten viel von dem Mann. Sie erwarten natürlich einen aufmerksamen Zuhörer, sie erwarten jemanden, der den Frauen mal die Kinder abnimmt, der alles eben nicht nur der Mutter überlässt, und sie erwarten trotzdem auch jemanden, der ein Macher ist.

Wie fühlen sich die Väter bei diesen ganzen Rollenerwartungen?
Ich erlebe Väter zwar immer noch als relativ locker, aber ich kann mir vorstellen, dass es an der einen oder anderen Stelle  ganz schön anstrengend ist, also dass es schon eine ziemliche Vielfalt von Rollen gibt, die Väter haben. Meine Kinder sind mittlerweile über 20 Jahre alt, aber als die noch klein waren, habe ich auch versucht sehr unterschiedliche Rollen auszuüben. Es ist manchmal schon eine unglaubliche Belastung, weil man auch die Belastung aus dem Beruf mitbringt.

Was macht Ihnen besonders Spaß in der Arbeit mit Vätern?
Ich bin total gerne mit Vätern im Gespräch. Wir bereiten Vater-KindWochenenden vor. Wir haben dieses Jahr das Jahresthema „Ganz schön mutig – Was Väter und Kinder gemeinsam schaffen können“. Wenn man in den Vortreffen Ideen entwickelt, dann finde ich, dass die Väter da eine Menge gute Ideen haben. Ich beobachte die Väter auch gerne wie sie mit ihren Kindern umgehen - Wir führen auch Gesprächsrunden mit den Vätern durch, wo wir beispielsweise über das Thema „Mut“ sprechen. Da gibt es auch sehr interessante Fragen, beispielsweise: „Hat es nicht auch mit Mut zu tun, wenn ich meinem Arbeitgeber sage, ich möchte mehr Erfahrungen in der Familie machen?“.

Wie können Väter gestärkt werden in ihrer Rolle?
Ich glaube es is wichtig, dass von dem beruflichen Druck etwas abgenommen wird - Dass sie mehr Erfahrungen mit ihren Kindern machen können. Ich fände es gut, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, dass Väter vielleicht eine reduzierte Stelle bekommen oder reduziert arbeiten können. Es gibt schon richtig große Firmen, die auch versuchen ihren  Angestellten entgegenzukommen, sodass Mütter oder Väter ihre kleinen Kinder auch in den Betrieb mitbringen können. Da gibt es mittlerweile schon Ansätze in diese Richtung.

Was hat Ihnen als Vater besonders viel Spaß gemacht?
Ich liebe meine Kinder sehr. Ich finde es toll, zu sehen, wie Kinder aufwachsen. Ich habe gerne mit meinen Kindern gespielt, Sport gemacht, Fußball gespielt. Ich fand es ein ganz tolles Gefühl, beispielsweise in einer Aula zu sitzen und meine Tochter vorne ein Solo singen zu hören. Mit 13 Jahren sang sie beispielsweise „Dear Mr. President“. Also es gibt schon ganz, ganz tolle Erfahrungen, die man mit Kindern machen kann. Ich bin mit meinen Kindern auch relativ früh schon in Jugendherbergen gefahren, auch ohne Frau, und fand das auch eine schöne Erfahrung, mir selbst ein Programm mit den Kindern zu überlegen und dann auch umzusetzen.

Was würden Sie Vätern raten, die sich überfordert fühlen?
Wirklich zu akzeptieren, dass sie nicht alles können. Dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt, dass sie – auch gegenüber ihrer Partnerin - mit diesen Grenzen offen umgehen. Und dass sie möglicherweise Beratung suchen oder an einem Angebot der Vater-Kind Arbeit teilnehmen.

Ihr Pfr. Carsten Griese