Andacht Herbst-Winter 2017/2018

Liebe Gemeinde in Rüdinghausen und Schnee

An - gedacht

„Und es waren Hirten auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde“
(Lukas 2,8)
Aus der Weihnachtsgeschichte ist uns diese Berufsgruppe bekannt und in keinem Krippenspiel dürfen sie fehlen: die Hirten. In der Bibel spielen Hirten in vielen Geschichten und Gleichnissen eine wichtige Rolle: Der Hirtenjunge David, der den Riesen Goliath mit seiner Schleuder besiegt. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, in dem Gott mit einem Hirten verglichen wird, der alles aufs Spiel setzt, um das verlorene Schaf zu finden. Weil dieser Beruf in der Bibel so wichtig ist, wollte ich gerne mit einem Hirten sprechen

- Heutzutage. Ich bin in Witten fündig geworden. Die Wittener Hirtin Sabine Hülser zieht mit ihren 300 Schafen seit 30 Jahren durchs Ruhrgebiet. Sie erzählte mir: „...meine Schafe laufen den ganzen Sommer in Bochum ‘rum und irgendwie finden die immer wat’ Grünes“. Ihre Eltern entdeckten schon früh die Tierliebe ihrer Tochter. Schon als Kind suchte die kleine Sabine die Nähe zu Kühen und Pferden. Ihren Eltern war klar, dass ihre Liebe zu Tieren sich auch auf ihren Berufswunsch auswirken wird. Sie erinnert sich: „Meine Eltern haben immer gesagt: ‘wenn die mal heiratet, dann nur einen Schäfer oder Bauern.’ Ging gar nicht anders. Ich habe mit Kühen und Pferden angefangen. Danach kamen erst die Schafe.“ Und so ist es auch gekommen - Sie hat einen Schäfer geheiratet. Den bekannten Vers aus Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“ kennt die Schäferin gut: „Dat’ ist mein Taufspruch, im Grunde genommen brauchen wir alle irgendwo einen Hirten. Ich glaub’, ganz ohne geht’s nicht.“ Mich interessierte, welche Aufgaben sie als Hirtin hat und sie antwortete: „Ich denke mal, die gleichen Aufgaben wie so’n Pfaffe auch...man muss auf seine Schäfchen achten, muss gucken, dass es ihnen gut geht - ansonsten ... die Gesundheit ein bisschen beachten und ansonsten geht es ihnen immer gut: Und mir dann auch, ich kann nur schlafen, wenn es meinen
Tieren auch gut geht“. Sabine Hülser liebt es mit den Tieren bei Wind und Wetter an der frischen Luft zu sein: „Wir haben noch das Glück, dass die Schafe noch leben können wie sie in der Natur eigentlich leben würden, im Herdenverband und ... ganzjährig draußen. Das macht natürlich sehr viel Arbeit, denn im Winter muss man dann auch gucken, dass die Tiere Windschutz haben und genug Futter, damit sie den Winter gut überstehen. Die Schafe müssen immer gut und Speckfett aussehen, dann funktioniert das schon.“ Dafür sorgt die Schäferin, wenn sie ihre Tiere zu neuen Weideplätzen führt. Bei ihrer Arbeit helfen ihr ihre altdeutschen Hütehunde: „Die Hunde sind ja im Grunde genommen der unsichtbare Zaun für die Schafe. Wenn kein Elektrozaun um die Herde ist, dann muss der Hund dafür sorgen, dass die Herde die Straße nicht überquert, nicht das Kornfeld vom Nachbar abweidet, oder die Vorgärten stürmt.“ Von dem Spruch „dummes Schaf“ hält sie wenig: „Also so dumm wie sie aussehen, sind `se leider nicht. Die `ham `nen hohen Intelligenzgrad. In dem  Moment, wo ich sie anlocke, wissen sie ganz genau, es gibt was Neues, und dann kommen sie schon hinterher. Dat is’ so, sie werden mir folgen, denn genau da, wo ich hingehe, gibt es ‘was Frisches zu fressen.“ Dabei gibt es unterwegs immer wieder Gefahren für ihre Schafe. Die kennt Sabine Hülser genau: „Ja, die Leute meinen ja immer der Wolf ist gefährlich. Der Wolf ist im Moment noch nicht bis zu uns vorgedrungen. Es sind bei im Moment erst mal die ganzen Hunde, die hier rumlaufen. Die Hunde sind viel  Gefährlicher. Wenn die Hunde hochtragende Tiere hetzen, dann kann es passieren, dass sie dann tote Lämmer rausschmeißen. Das ist nicht nur für das Schaf gefährlich, sondern auch für unser Portemonnaie.“ Und wie ist es wenn - wie im biblischen Gleichnis vom verlorenen Schaf – ein Tier verloren geht? „Kommt drauf an, wie dat’ verloren geht: Wenn es jetzt irgendwo in der Ecke steht und hat ein Lämmchen gekriegt und ich ziehe weiter, dann bleibt die einfach stehen. Das ist mir auch schon passiert, die ist einfach im Schatten stehen geblieben. Dann sind da nette Leute gekommen und haben es mir  Wiedergebracht...wenn uns ein Schaf verloren geht, dann ist das ja traurig. Also: Wir vermuten dann - wenn es nicht geklaut worden ist, dann hoffen wir, dass es wieder auftaucht. Also die Herde muss schon komplett sein, sonst sind wir auch nicht glücklich“. Vor allen Gefahren versucht Sabine Hülser ihre Schafe zu  schützen und auf die Herde gut aufzupassen. Und das brauchen nicht nur Schafe: „... Ich denk’ mal, irgendwie hat man immer jemanden, der auf einen aufpasst. Wenn’s nicht Vater, Mutter, der Ehemann oder die eigenen Kinder sind, irgendjemand wird immer auf einen aufpassen, und wenn die dat’ nicht tun, dann muss man einfach den Glauben haben, dass das jemand tut, den man nicht so vor Augen hat...“ Und da kann ich als „Pfaffe“ der Hirtin nur zustimmen. Dieses Vertrauen und diesen Glauben an einen fürsorglichen Gott wünsche ich ihnen.

Ihr Carsten Griese