Andacht Sommer 2020

Liebe Gemeinde in Rüdinghausen und Schnee

Vater unser im Himmel! (Mt 9,6)

Vor einigen Jahren habe ich mit Erzieherinnen eines Kindergartens eine Malaktion über „Väter“ organisiert. Die Kinder malten Bilder über ihre Väter und die Erzieherinnen schrieben die Kommentare der Kinder unter ihre Bilder.

Ein Kind kommentierte sein Bild mit dem Satz: „Wenn wir Papa nicht hätten, müssten wir die Essensreste alle wegschmeißen“.
Ein Kind malte einen kräftigen Mann und darunter stand: „Mein Papa trainiert immer im Fitnessstudio, damit er einen Waschbärbauch bekommt“.
Und ein Kind hatte seinen Vater mit dem Gebet in Verbindung gebracht, das es aus dem Kindergarten kannte: „Gott ist der himmlische Vater von uns allen ... Papa ist kein Vaterunser“.
Jedes Mal, wenn ich das Vaterunser bete, schwingen die eigenen Erfahrungen mit meinem Vater mit. Aber das Gebet ist mehr: „Vater unser, der du bist im Himmel“ ist eine vertrauliche Anrede Gottes. Wenn Jesus Gott als Vater anspricht, greift er die Vorstellung auf, die er aus den jüdischen Schriften kennt: Die Israeliten befinden sich „unter den Flügeln ihres Vaters im Himmel“, sie richten „ihre Herzen auf ihren Vater im Himmel aus“.
In der Bibel und der jüdischen Tradition schwingt mit der Anrede „Vater“ stets Nähe, Fürsorge, Barmherzigkeit und Liebe mit. Dieser Vater Israels ist Jesu Vater. Er hat ihn beauftragt zu predigen und mit ihm fängt das Reich Gottes an: Jesus ist den Menschen am Rande nahe, er geht zu den Kranken, er hört den Vergessenen zu, er setzt sein Leben für andere aufs Spiel.
Jedes Mal, wenn ich das Vaterunser spreche, schwingt das mit. Jesus hat uns Gott ganz nahe gebracht. Gottes Reich ist angebrochen, es hat angefangen. Wenn ich im stillen Kämmerlein alleine oder im Gottesdienst gemeinsam mit anderen bete, ist Gott dabei, hört zu, beauftragt mich seinen Willen zu tun.

Ihr Pfr. Carsten Griese